Was ist StadtLandFrau

StadtLandFrau

Großstadt Kleinstadt Mittelstadt Neustadt Altstadt Siedlung Landhaus Hochhaus Geschossbau Neubau Altbau Einfamilienhaus Doppelhaus Reihenhaus Dorf.

Immer ist Arbeit da für die Stadtlandfrau

Überall wohnen wir und arbeiten: Wir sind StadtLandFrau mit Familie und ohne allein und zu zweit in Gemeinschaft und ohne aber immer ist Arbeit da für die StadtLandFrau, denn sie baut Gemüse an oder Blumen oder sie kocht Spargelsuppe und erntet Tomaten vom Balkon oder es gibt Fertigpizza aus dem Ofen, manchmal frische Marmelade, der Frühstückstisch muss abgeräumt werden, die Wäsche aufgehängt und das Tagwerk kann beginnen.

Wir sind komplexe Arbeiterinnen, denn unsere Arbeit ist nicht selten unsichtbar und immer noch wird sie wenig bis nie repräsentiert,

in der Stadt nicht

auf dem Land nicht.

Wir sind Putzfrauen, Köchinnen und Angestellte, manche mussten ihre Heimaten verlassen und lassen Kinder zurück, nur um arbeiten zu können, damit andere besser bezahlt noch mehr arbeiten können

manche arbeiten zu Hause, manche haben keine Kinder und verstehen das Problem trotzdem, die Arbeitswelt macht sich darüber jedenfalls keine Gedanken

in der Stadt nicht

auf dem Land nicht

Trotzdem wollen wir arbeiten und tun das heute immer noch oft schlecht bezahlt und prekär, in der Stadt und auf dem Land. Hat sich das Verhältnis zwischen Stadt und Land vielleicht sogar umgekehrt?

Eigentlich war StadtLandFrau ein Buch. Es hieß Stadt, Land, Frau und war von Kerstin Dörhöfer und aus dem Jahr 1990. Ich las es während des Studiums und fand es sehr einprägsam und erhellend, was die Frauen dort über feministische Planunungsansätze in der Stadt geschreiben haben, darüber, wie Raum Geschlecht macht und Geschlecht Raum. Die Stadt schien der Ort zu sein, an dem Frauen endlich frei sein können, wo es kollektive und kooperative Lösungen gibt, Kitas und Arbeit, Ganztagsbetreuung für die Kinder und gut bezahlte Jobs statt dörflicher Strukturen und Geschlechterklischees, in die hineinzupassen schmerzt. Feministische Stadtkrititk, der Schlüssel zu den urbanen Problemen.

Aber dann wurde die Frau Mutter und die Stadt der Freiheit schien es nur im privilegierten Studentinnenleben gegeben zu haben. Familie in der Stadt schien plötzlich noch unmöglicher zu sein als im Dorf. Bezahlte Kitaplätze allein machen noch längst keine Freiheit. Im Gegenteil, sie pressen unsere kleinen Familien in das enge Korsett, das die Lohnarbeit uns schnürt, die unser Leben bestimmen soll, sie schnürt den Kindern die Luft zum Atmen ab; die kreativen Berufe der Eltern zerstören plötzlich die Entfaltung des Gemeinsamen. Drumherum herrscht Lärm und Luftverschmutzung, wenn man nicht bewusst andere Routen wählt und grüne Oasen aufsucht. All das kostet Energie, und am Ende ist sie überlastet, die Mutter in der Stadt, und findet das Land viel schöner. Aber es gibt auch dort kein Happy End.

Nur die Sehnsucht nach dem besseren Ort. Und das ist das Gute:

Es ist Raum für Utopien da

in der Stadt

auf dem Land

Und manchmal treffen sie sich in der StadtLandFrau.

 

Wir teilen eines: Die Lebenserfahrung, Frau geworden zu sein.

 

Ich möchte hier über das Leben von Frauen in Stadt und Land schreiben. Nicht nur über Frauen, sondern auch von Frauen. Was sie umtreibt mitten in der Großstadt. Und auf dem Dorf. Denn der explizite Blick von Frauen auf Frauenleben und über Frauenleben ist längst nicht dort wo wir ihn uns wünschen –

in der hegemonialen Weltsicht angekommen.

Immer noch müssen wir auf die Lebensrealitäten von StadtLandFrauen hinweisen. Welche Unterschiede und welche Gemeinsamkeiten sie auch teilen mögen, sie alle teilen eins: Die Lebenserfahrung, Frau geworden zu sein – in Anlehnung an Simone de Beauvoir. Also lasst uns nicht schweigen!

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