Déjà-vu für Familien: „Bitte lassen Sie Ihre Kinder zu Hause“

Es geht wieder los. Statt Mundschutz steigen die Kinder gleich mit freiwilliger Quarantäne in den November ein: „Liebe Eltern, nach Absprache mit der Schulleiterin bitten wir Sie alle, die Kinder morgen zu Hause zu behalten. Das betrifft die gesamte….“ usw.

Wie konnte das passieren? Die Nachricht an diesem Sonntagabend bedeutet nichts weniger, als dass die Schule sämtliche Eltern der Schulfiliale bittet, ihre Kinder (wieder) zu Hause zu lassen, weil diverse positive PCR-Tests durch die Klassen geistern. Es betrifft meine 9-jährige Tochter, 3. Klasse, und damit die ganze Familie. Während Politiker:innen bei Anne Will über 2G reden, über Bremen, Sachsen und Bayern, steuern Berlins Schüler:innen erneut in einen chaotischen Corona-Winter, wie es scheint.

Die Kinder, die sich gerade von ihrem letzen Wahnsinnsschuljahr (das im Grunde keines war) erholt haben, sollen jetzt wieder ausbaden, dass sich die einen nicht impfen lassen wollen und die anderen die Mundschutzpflicht nicht wieder einführen? Ernsthaft? Koalitionsverhandlungen in Land und Bund sind keine Entschuldigung für das erneute Wegschauen, das sich hier anbahnt und das wieder die Kleinsten trifft.

Wie Sabine Rennefanz im Tagesspiegel resümiert: Kinder haben nicht nur am stärksten gelitten unter den Pandemieeinschränkungen; es sind ihre Chancen, die durch jede Unterbrechung von Lernwegen schlechter werden. Dass Kinder die Versäumnisse von Erwachsenen ausbaden sollen, die keine Lust aufs Impfen haben bzw. sich alle Zeit der Welt lassen wollen, weil für sie nichts davon abhängt, ob sie sich impfen lassen oder nicht, macht wütend. Solidarität im letzten Jahr mit den Älteren war selbstverständlich. Aber jetzt bedeutet Solidarität, jegliche Wahrscheinlichkeit zu Schulschließungen oder die Schließung von Pflegeheimen zu vermeiden. Jeder und jede kann dazu beitragen.

Wie schön, dass manche auf den „Freedom Day“ hinweisen und in Feierlaune sind. Die Botschaft ist definitiv die falsche, so lange sich ein Drittel der Bevölkerung nicht impfen lassen will und Schulschließungen immer noch politisch als Lösung gehandelt werden. Wenn das der Novemberanfang ist, dann sehe ich einen erneuten harten Winter für Familien.

Veröffentlicht von stadtlandfrau

Dr. Inga Haese, Freie Autorin, Sozialforscherin, Dozentin. Mutter von 2 Kindern. Lebt in Berlin und bei Storkow in Brandenburg.

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