Solidarisch mit Israel

Am Tag nach dem Großangriff der Hamas auf das ganze Land Israel bin ich empört und schockiert und denke an die Angehörigen der vielen Opfer der Angriffe. Ein weiterer Krieg in einer unbarmherziger werdenden Welt hat an diesem Samstag mit Brutalität begonnen.

Grausame Angriffe

Das Land Israel hat zweifelsohne keine guten Zeiten hinter sich. Geschwächt durch die rechte Regierung Netanjahus, gespalten durch die umstrittene Verfassungsänderung, das waren keine guten Jahre für den brüchigen Frieden in Nahost. Aber die Innenpolitik ist das eine, so wie sie Moshe Zimmermann gestern in der Tagesschau bewertete. Zu den Hintergründen der grausamen Angriffe der Hamas zählen auch Waffenlieferungen aus Iran wegen der saudi-arabisch-israelischen Annäherung und eine rachsüchtige Hisbollah-Miliz, die nur darauf wartet, loszuschlagen.

Das Land Israel ist überlebenswichtig für Jüd*innen

Seit Jahren nutzt die Hamas geschickt die Lage der Menschen in Gaza aus, um der Welt die Härte der Israelis vorführen zu können – und am Samstag hat sie gezeigt, wie verletzbar dieses kleine Land ist, das einzige Land der Welt, in dem der Schabbat Feiertag ist, in dem Rosh Hashana Nationalfeiertag ist und Sukkot und Passa überall gefeiert werden. Man muss nicht dort gewesen sein (aber es hilft), um sich vorzustellen, wie einzigartig und wie überlebenswichtig dieses Land für Jüd*innen weltweit ist.

Israel ist immer Zielscheibe

Wer in den Grenzgebieten Israels lebt, der kennt seinen Weg in die „Bombshelter“, die rettenden Bunker. Als ich selbst im Jahr 2000 Angriffe der Hisbollah auf einen Kibbuz erlebt habe, lernte ich die stoische Ruhe und die Besonnenheit kennen, mit der die Israelis der immerwährenden Bedrohung begegnen (müssen). Besonnenheit war Überlebensstrategie. Weil ich diese Besonnenheit und die lebensbedrohliche Perspektive kennengelernt habe, war ich mir immer sicher, dass israelische Kampfhandlungen nie ungerechtfertigt sind; sie sind immer aus der Position der Schwächeren heraus zu verstehen, nicht aus der einer Besatzungsmacht. Ich habe erlebt, dass Israel sich verteidigen muss, Israelis können sich keine Fehler dabei erlauben. Sie sind immer Zielscheibe und müssen damit leben.

Dieser Großangriff auf Israel ist so schockierend, weil er gezeigt hat, dass es auch in Zentralisrael keine Sicherheit für Jüd*innen gibt und dass der Terror weit ins Land eingedrungen ist. Nicht nur Raketen auf Ashkelon und Ashdod, wie schon oft, sondern brutale Geiselnahmen und Verschleppungen und Hunderte Tote sind zu verzeichnen. Die Israelis werden darauf zu antworten wissen. Es geht für Jüd*innen ums Überleben, wie so oft.

Die Welt in neuem Kriegszeitalter

Die Aufbrüche in eine friedfertigere Zeit in Europa, sie ist seit dem Angriff auf die Ukraine Geschichte, aber an diesem Samstag hat der überraschende Angriffskrieg auf Israel die Welt endgültig zurück in die 1970er Jahre katapultiert, die Zeit des Jom-Kippur-Krieges, aber auch einer Hochzeit des kalten Krieges und weltweiter Aufrüstung. Es bleibt zu hoffen, dass dieser Krieg baldmöglichst eingehegt werden kann.

Veröffentlicht von stadtlandfrau

Inga Haese, Prof. Dr. rer. pol., ist Soziologin, Gärtnerin, Leserin, Mutter, Feministin, Kirchenaktivistin. Lebt in Berlin und bei Storkow in Brandenburg.

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