#18+++Corona-Blog+++

Allgemein, Corona, FürSorge

Die Angst vor der zweiten Welle oder das lange Warten auf ein Testergebnis

Vor vier Tagen rief die Lehrerin des großen Sohnes bei uns an. Was an sich bereits alarmierend ist: Es war ein Sonntag. Die Mutter einer Schülerin in seiner Lerngruppe sei positiv auf Corona getestet worden. Es obliege nun uns, wie wir mit der Nachricht umgingen, ob wir unseren Sohn weiter zur Schule schicken würden oder nicht, das Gesundheitsamt mache keine Vorgaben in einem solchen Fall. Die Senatsverwaltung offenbar auch nicht: Es gab weder eine Verhaltensempfehlung noch wurde uns nahegelegt, die betroffenen Eltern in der halbierten Lerngruppe zu kontaktieren oder einen Corona-Test zu machen. Auch nach drei Monaten Pandemieerfahrung wurde offenbar noch kein allgemeingültiger Leitfaden für Berliner Schulen und deren Betroffene entwickelt, wie im Fall eines Corona-Verdachts auch an alle gedacht werden kann.

Halsschmerzen

Nun saß ausgerechnet die betreffende Schülerin nah bei meinem Sohn, gleich vor ihm. Und ausgerechnet an dem Morgen dieses Tages klagte mein Sohn über Halsschmerzen, und wenn auch nicht nachhaltig, so versetzte diese Klage meine Mutterohren in absolute Aufregung. In der Presse war viel von Gütersloh die Rede und auch von Neukölln, wo ein Wohnblock mit Corona-Infektionen Aufmerksamkeit erregte. Von Kreuzberg aber sprach niemand, von Schulen erst recht nicht, aber jetzt waren wir Eltern in höchste Alarmbereitschaft versetzt und ließen unsere beiden Kinder am folgenden Morgen freiwillig zu Hause. Das Schuljahr war mit dieser Gemengelage für sie frühzeitig beendet. Auch für meinen Mann war es das. Ihm wurde immerhin geraten, zu Hause zu bleiben.

Unsere Priorität: Möglichst keinem Corona-Fall begegnen und zu viert getestet werden

Für unsere Familie begann eine unschöne, über 72-Stunden währende Zeit des Wartens und der Unsicherheit. Ob die Länge dieses Zeitraums von schlaueren Handlungsalternativen hätte verkürzt werden können, mögen Expert:innen beurteilen. Wir Corona-Laien jedenfalls stolperten blindlings in die Mühlen des Berliner Behörden- und Gesundheitsdschungels hinein, als wir beschlossen, einen Corona-Test machen zu wollen. Dabei, so versicherten Menschen außerhalb Berlins, können Testergebnisse inzwischen binnen zwei bis zwölf Stunden vorliegen. Optimistisch startete ich also am Montagmorgen meine Anrufserie, um uns einen Termin im Neuköllner Estrel-Hotel zu besorgen, dem einzigen „Drive-In“ für Corona-Tests, den ich in Berlin finden konnte. Unsere Priorität war nämlich, möglichst keinem Corona-Fall zu begegnen und zu viert getestet zu werden. Der freundliche Mitarbeiter des Gesundheitsamtes Neukölln wies mich jedoch sofort ab, da wir weder im Bezirk wohnten noch dort arbeiten würden: „Setzen Sie sich mit dem Gesundheitsamt Friedrichshain-Kreuzberg in Verbindung, die sind für Sie zuständig und sagen Ihnen dann, wo Sie sich testen lassen können.“ Er nannte mir eine Telefonnummer. Ich wählte. Am anderen Ende lief die automatisierte Ansage einer freundlichen Dame: „Zur Zeit ist niemand erreichbar.“ Ich probierte, schon weniger optimistisch, auch die im Internet angegebene Telefonnummer des Gesundheitsamtes und erreichte: Niemanden. Ich rief entnervt unseren Kinderarzt an. Wenn uns jemand weiterhelfen konnte, dann doch der zuständige Arzt! Die Sprechstundenhilfe klang erfahren: „Hier können Sie Ihren Sohn nicht testen lassen, aber da wenden Sie sich ganz einfach an die Corona-Teststellen in den Notaufnahmen der Krankenhäuser. Es gibt folgende Corona-Ambulanzen.“ Sie ratterte routiniert eine Liste ab und ich legte zufrieden auf. Ich beratschlagte mit meinem Mann, wo es wohl am unkompliziertesten, sprich am wenigsten überlaufen sein würde und wir entschieden uns für die Klinik Havelhöhe, ein unter Kreuzberger Schwangeren beliebtes, weil anthroposophisches Krankenhaus. Es erschien mir äußerst logisch, dass dort wenige Menschen zusammenlaufen, um sich testen zu lassen. Dafür ist es einfach zu weit.

Über dem Schild zur „Corona-Ambulanz“ klebte der Aufkleber „geschlossen“

Der Ritt zur Havelhöhe erwies sich als lang und anstrengend. Aus Berlins Mitte raus, immer geradeaus, sämtliche Prachtstraßen entlang, dann die Heerstraße runter, schließlich links ab Richtung Kladow. Die Sonne schien. Leider durften wir wegen des Corona-Verdachtes weder das schöne Wetter noch die Landschaft genießen, wie wir recht schnell feststellten. Die Kinder begannen nämlich plötzlich von ihrem Ausflug an den Badesee zu schwärmen, während wir den Kladower Damm runterschlichen und die Schiffchen an der Havel den Kids Ferien verhießen. Als wir die Klinik erreichten war ziemlich schnell der emotionale Tiefpunkt unseres „Ausflugs“ erreicht: Über dem Schild zur „Corona-Ambulanz“ klebte der Aufkleber „geschlossen“. Mir rutschte kurz das Herz in die Kniekehle, aber so schnell würden wir nicht aufgeben. Also fuhren wir vor zum Haupteingang, schließlich hatten wir die Information von unserem seriösen Kinderarzt erhalten, dass wir hier richtig seien! Nur, um einen Blick auf das Klinikgelände zu werfen, war die einstündige Fahrt eindeutig zu aufwändig gewesen. Zugegeben: Die geschwungenen Wege und die Weleda-Schrift überall, die üppigen Lupinen und der Rittersporn waren bildschön und auf ihren scheinbar ungepflegten Inseln so kühn bewässert und in Schach gehalten, dass der Park wild und anmutig zugleich erschien und die zwischen Kiefernwäldchen gelegenen Einrichtungen am Havelufer ließen zumindest ahnen, warum hier so viele Hauptstadt-Mütter ihren Kindern das erste Licht der Welt zeigen wollten: Es erinnert in keiner Weise an die große, laute Stadt nebenan.

„Also, wenn Sie jetzt noch kein Corona haben, kriegen Sie es spätestens, wenn Sie sich hier testen lassen.“

Nur hatte ich für diese Ideen im Moment keinen Sinn. Ich hatte plötzlich Halsschmerzen, womöglich Corona? Und vielleicht war meine ganze Familie infiziert, und jetzt testete uns niemand hier in dieser anthroposophischen Spielzeugwelt? Ein unwirkliches Gefühl, eine paradoxe Situation. Wir bekamen einen Zettel mit weiteren Aufzählungsadressen und Telefonnummern in die Hand gedrückt. Klar war, dass wir mit unserer einstündigen Wegstrecke in die Stadt hinein keine Ambulanz mehr erwischen würden, denn die Hälfte schließt um 13 Uhr. Wütend tippte ich eine Email in mein Handy, die an die Sprechstundenhilfe gerichtet war: Können Sie es bitte unterlassen, Patient:innen zur Havelhöhe zu schicken? HIER WIRD NICHT GETESTET! Seit Anfang Mai, wie sich herausstellte, war die anthroposophische Corona-Ambulanz geschlossen. Also Kompassnadel neu ausrichten, diesmal traf es die Wenckebachklinik. Aber erst anrufen! Die freundliche Stimme riet uns davon ab, die Corona-Ambulanz aufzusuchen: „Also, wenn Sie jetzt noch kein Corona haben, kriegen Sie es spätestens, wenn Sie sich hier testen lassen.“ Mit Verlaub, aber nach dieser Aussage schleppe ich meine Kinder bestimmt nicht zum Testen in irgendeine der angegebenen Teststellen Berlins. Im Streit mit meinem Mann und mit mürrischen Kindern, die baden wollten, mussten wir uns auf den Heimweg machen, unverrichteter Dinge und ohne Aussicht auf Besserung.

Tag 1 der Quarantäne nahm bereits seinen nervtötenden Lauf, Tag 2 war damit vorprogrammiert

Zunächst als Glücksfall erwies sich dann ein Anruf meines Mannes beim MVZ Kreuzberg: Dort wäre man bereit, uns auf dem Hof zu testen, ohne Wartezimmer und die ganze Familie zusammen. Einziger Haken: Wir müssten bis zum nächsten Morgen warten, Termin ist um 10:00. Das Ergebnis gäbe es nach 24 Stunden. Tag 1 der Quarantäne nahm bereits seinen nervtötenden Lauf, Tag 2 war damit vorprogrammiert. Aber wir nahmen den Termin trotzdem dankbar an, immerhin versprach er einen Test und ein Ergebnis. Bis dahin würden wir die Zeit schon umbringen. Unsere Nachbarn sprachen mit uns durch das offene Fenster und nahmen eine Milchbestellung entgegen. Es gab die letzten Scheiben Toastbrot und am nächsten Morgen setzten wir uns erneut ins Auto, diesmal zum MVZ. Ich lenkte den Wagen durch eine schmale Toreinfahrt auf einen Kreuzberger Hinterhof. „Desk to go“ stand da, verschiedene Start-Ups, ein Weinhandel und ein Reifenhandel teilten sich den schmucklosen Hof. Die neue Kreuzberger Mischung. Das Laufpublikum war Ende 30, jugendlich gekleidet und überwiegend männlich. Nach zehn Minuten Wartezeit kam eine weiß bekittelte Frau mit medizinischem Mundschutz aus einem der Treppenaufgänge. Ich verließ den Wagen und die Frau sammelte unsere Krankenkassenkarten ein, dann verschwand sie wieder. Nach einer weiteren Viertelstunde kam sie zurück und hatte jetzt lauter Plastiktüten, Röhrchen und Aufkleber dabei. Das Laufpublikum schaute neugierig, als die Frau mir empfahl, meinen Mundschutz abzunehmen, damit sie mir ein Stäbchen in den Mund stecken könnte.

Die absurdeste Situation meines Lebens: In einem Berliner Hinterhof vor den Augen von Start-Up-Mitarbeitenden und Weinhändlern einen Rachenabstrich von einer jungen Lady mit Dutt und Turnschuhen in medizinischer Berufskleidung verpasst zu bekommen

Die Anweisung war, den Mund locker aufzumachen, die Zunge nach vorn zu schieben, dann kam das Kitzelstäbchen. Das Publikum schien interessiert. Mir war klar, dass dies die absurdeste Situation meines Lebens war: In einem Berliner Hinterhof vor den Augen von Start-Up-Mitarbeitenden und Weinhändlern einen Rachenabstrich von einer jungen Lady mit Dutt und Turnschuhen in medizinischer Berufskleidung verpasst zu bekommen gehörte bis dahin nicht ins Repertoire meiner Erfahrungen. Als nächstes kam das Nasenstäbchen dran, das besonders kitzelig wirkte. Ich hüpfte vor Lachen mehrmals zurück. Nach mir war mein Mann an der Reihe, und dann waren die Kinder dran. Die fanden das Stäbchen nicht so witzig, ich hielt sie nacheinander aufmunternd an ihren Schultern fest. Schließlich waren alle Proben in ihren doppelt eingetüten Plastikfolien (der ganze Müll! Corona verursacht so viel zusätzlichen Müll! Danke, ihr Fledermäuse!) verstaut und wir hatten unsere Tests gleichzeitig und ohne weitere Ansteckungsgefahr hinter uns gebracht, wenn auch auf einem Kreuzberger Hinterhof vor laufendem Publikum. Die Anweisung von der medizinischen Fachkraft klang noch lange in unseren Ohren nach: Ab jetzt begeben Sie sich bitte in Ihre Wohnung, Sie dürfen Ihre Wohnung nicht verlassen, auch nicht zum Einkaufen – bis das Ergebnis nach 24 Stunden vorliegt. (Ich wies die Dame an, es für die Kinder noch einmal zu wiederholen.)

Nichts ist schlimmer, als in Quarantäne zu sein, während alle anderen NICHT zu Hause bleiben müssen

Es stellte sich heraus, dass nichts schlimmer ist, als in Quarantäne zu sein, während alle anderen NICHT zu Hause bleiben müssen. Es macht psychologisch einfach einen Unterschied, ob man sich allein mit einer absurden, blöden, nervtötenden Situation abfinden muss oder ob man viele andere um sich herum in der gleichen Situation weiß. Plötzlich erschien es uns und besonders den Kindern unerträglich, dass die anderen draußen grillten oder mit einem Erdbeerkuchen am Fenster vorbeiliefen, dass die Nachbarjungs Roller fahren durften oder die Freundin auf dem Hof vorm Fenster Fangen spielte. Wir blieben drinnen, und zumindest für einen Tag müsste das doch gelassen möglich sein. Tag 3 begann entsprechend spät, ich versuchte mich wie gewohnt am Homeoffice und wären da nicht die unausgelasteten Kinder gewesen, es hätte ein Tag wie jeder andere sein können, nur mit etwas mehr Meinungsverschiedenheiten um den Wohnungsputz und noch mehr Ermahnungen an die Adresse der tabletspielenden Kids. Aus den verbliebenen Lebensmitteln bekam ich immerhin noch Pfannkuchen für alle hin, das Mittagessen war gesichert. Doch dann kam sie, die schlechte Nachricht. Die schlechteste aller schlechten: Nicht etwa ein positives Testergebnis, nein – schlimmer! Es würde heute kein Ergebnis mehr reinkommen! Das Labor käme nicht hinterher, das Corona-Testergebnis wird noch einen Tag auf sich warten lassen. Die zu Beginn glückliche Fügung mit dem Hinterhof-Test erwies sich nun rückblickend als zeitraubend, als denkbar schlechteste Wahl von allen, vermutlich hätten wir überall sonst innerhalb von 24 Stunden ein Ergebnis bekommen! Jetzt hatten wir die Quittung für unser naives Handeln, dass unsere Priorität die Vermeidung von Kontakt zu möglichen Corona-Fällen war, das uns noch einen ganzen Tag länger in der unsicheren und quälenden Quarantäne-Situation belassen würde. Oder war das reine Schikane, um den R-Wert für Berlin weiterhin niedrig halten zu können, unkte die innere Kritikerin in mir. Und wenn nicht, dann ist es doch ein Armutszeignis, dass die Labore überfordert sind, schimpfte sie weiter. An einen entspannten Ferienanfang war nicht mehr zu denken. Entnervt bestellte ich Pizza zum Abendbrot und alle durften stundenlang Harry Potter gucken. Immerhin, damit war die Laune für den Abend gerettet.

Tag 4 der selbstauferlegten Corona-Verdachtsquarantäne begann mit einem Desaster

Tag 4 in selbstauferlegter Corona-Verdachtsquarantäne begann mit einem Desaster: Die Arztpraxis bestätigte, dass ein Test-Ergebnis frühestens um 15:00 vorliegen würde. Ich stöhnte. Der erste Sommerferientag war verhagelt. Mein Sohn warf sich blindlings aufs Sofa und wütete, denn er konnte es keine Minute mehr ohne seine Freunde aushalten. Zu allem Überfluss rief dann auch noch ein Kumpel an und bat meinen Mann, ihn irgendwo hin zu fahren. Corona sei ihm egal. Mein Mann wusste: Er würde nie wieder einen Corona-Test machen. Immerhin erfuhren wir nach einigen Telefonaten, dass wir nicht die einzigen in der ungewissen Situation waren: Die Eltern eines Schulkameraden meines Sohnes warteten ebenfalls auf ein Testergebnis, und sie hatten ihren Sohn wiederum zu einer anderen Teststelle fahren müssen, alle Ergebnisse stünden noch aus. Geteiltes Leid, soviel ist sicher, ist halbes Leid. Das Wissen, man ist nicht allein mit seiner nervtötenden und belasteten Situation ist, entspannt erhitzte Gemüter. Und dann kam sie endlich, früher als gedacht: Um elf Uhr gabe es überraschend Entwarnung für uns alle, viermal negative Testergebnisse. Unsere Angst vor der zweiten Welle ist erstmal ausgestanden. Ein wenig zu spät kam die Mail der Lehrerin um 13 Uhr: Offenbar sei die Nachricht untergegangen, dass das betroffene Mädchen aus der Lerngruppe meines Sohnes negativ getestet worden sei (!).

Viel Lärm um nichts also, das lernen wir daraus, und dass Lehrer:innen vernünftige Corona-Leitfäden zur Hand bekommen sollten. Und noch eins: Vielleicht sind Kinder tatsächlich seltener Virusüberträger.

#17 +++Corona-Blog+++

Allgemein, Corona, FürSorge

Prädikat wertvoll: Das Corona-Zeugnis oder kein Bock mehr auf die Coronaschool

Langsam reicht‘s. Corona geht mir wirklich auf die Nerven. Heute kam ein Haufen Zettel aus der Schule zurück: „Warum ist davon so wenig bearbeitet, zu viel, zu schwer?“ Vermerk: Bitte nachfragen. Ich komme mir vor wie eine überforderte, berufstätige Mutter, die das Schulgeschehen ihrer Tochter vernachlässigt. Dann fällt mir ein: Ich bin eine überforderte, berufstätige Mutter, die das Schulgeschehen ihrer Kinder (jedenfalls zeitweise seit vier bis sechs bis elf Wochen!) vernachlässigt, also nicht die perfekt-perfekte Homeschoolmutter, sondern sagen wir mal: Note befriedigend.

Im meinem Zeugnis zum Schuljahresende wird stehen: Immerhin schafft Inga es, die Kinder pünktlich zu den richtigen, alternierenden Stunden in die Schule zu schicken, mit Frühstück und Aussicht auf ein meistens sogar warmes Mittagessen. Sie überblickt, dass der Sohn seine Hausaufgaben erledigt und dass die Tochter schreiben und lesen lernt in befriedigendem Maß. Mathematik kommt bei ihr definitiv zu kurz. Das liegt ihr zwar, aber es hat ihr noch nie Spaß gemacht. Geometrie hingegen, da leuchten ihre Augen. Das kann sie sehr gut, also macht sie sich mit ihrer Tochter auf die Suche: Wo finden wir in der Wohnung Dreiecke, Pyramiden, Würfel und Quader? Ist der Apfel eine Kugel? Aber was ist mit der Olive? Und dann schneiden wir aus Moosgummi geometrische Formen aus, die kleben wir auf Gegenstände und stempeln damit herum. Denn Kunst war schon immer Ingas Lieblingsfach. Und Deutsch. Geschichten schreiben. Deshalb ist Inga leider sehr ungeduldig mit ihrem Sohn, wenn er immer noch die Satzanfänge klein schreibt und sie nicht klimaktisch ordnen kann. Nein, wirklich, in Geduld gibt es höchstens ein Ausreichend bei Inga. Mit minus.

NaWi ist wiederum mit gut bis befriedigend zu bewerten, da bemüht sich Inga und geht mit ihrem Sohn Sand für Experimente suchen (bevor sie Interviews führen muss); die Kinder dürfen Öl mit Wasser mischen und Pizza backen (während ein Text korrigiert werden muss), und sie lernen gemeinsam Blütenpflanzen kennen. Inga weiß jetzt sogar wieder, wie das mit der Fotosynthese war (trotz Verlagsdeadline). Komisch, dass Inga immer das Gefühl hat, nichts so richtig machen zu können und stets ihren Ansprüchen hinterher zu hängen.

Extrapunkte konnte Inga durch das Vorleben eines nachhaltigen Lebensstils sammeln. Leider fließen diese nicht in die Gesamtnote ein, aber sie werden in einer Siegerurkunde erwähnt: Gemüseanbau und -Verwertung, das fällt in den Nachmittagsbereich, das weite Feld der AG’s. Und nicht zu vergessen die digitale Bildung, die Inga ihrem Sohn vermittelt – leider irrelevant fürs Zeugnis, aber sonst und vielleicht in Zukunft seeeeehr wertvoll. Die tut hier nichts zur Sache, es geht um eine Gesamtnote für dieses Schuljahr, und da zählen nunmal die Hauptfächer! Und besonders zählen die Zettel und die Hefte. Also weniger Phantasie und mehr Handfestes. Schade, Inga! Insgesamt kann sich das Kollegium auf ein (noch) befriedigend einigen, auch wenn wir die Bemühungen und die Belastung erkennen‚ unter der sie- und dann noch ein systemrelevanter Mann, na, das hat schon für Diskussionen unter den Fachlehrer:innen gesorgt, da ging es um die Tendenz, ob die jetzt nach unten zeige. Aber keine Sorge: Die Versetzung ist nicht gefährdet. (Aber diese Zettel. Diese blöden, doofen zuvielen Zettel. Eindeutige negative Tendenz, dass die jetzt nicht geschafft sind…)

Und trotzdem fragt man sich sogar: Was hätten die Kinder alles verpasst, wenn Corona nicht gewesen wäre? Was haben sie alles gelernt? Und wie hat Corona sie verändert?

Noch knapp drei Wochen, dann ist es soweit: Dann wird belohnt, was wir Eltern geleistet haben oder auch nicht. Zum Glück sind die Verschlechterungen qua Homeschool von vorn herein verboten worden. Wobei: Jetzt wurden notenrelevante Tests in der 5. Klasse geschrieben – wozu, wenn nicht um unsere Hauslehrer:innenqualitäten abzuprüfen? Ich bin angesichts der hanebüchenen Umstände mit meiner 3- jedenfalls zufrieden. Alles andere wäre gesundheitsschädlich.

#16+++Corona-Blog+++

Allgemein, Corona, FürSorge

Logistische Drahtseilakte und Hygiene-Demos

Die Lockerungen der Corona-Pandemie erfordern ihren Tribut. Dabei klingt „Lockerung“ so vielversprechend, nach Freiheit, nach Laisser-faire – es könnte „zurück auf LOS“ heißen, wo wir 2000 Euro kassieren, oder einfach „jetzt geht es wieder los“, also alles: das Leben, die Freude.

Doch nichts dergleichen ist mit dem Wort gemeint, wenn schulpflichtige Kinder zur Familie gehören. Während andere freudestrahlend die Geschäfte in der Oranienstraße stürmen (ich meine natürlich: vermummt betreten), vergleichen wir mühsam die tagtäglich eintrudelnden Stundenpläne (für deren minutiöse Erstellung ich selbstverständlich hochgradig dankbar bin!), nur um festzustellen, dass Tochter und Sohn in der Feiertagswoche genau drei Stunden gemeinsam in die Schule gehen werden, in der Restzeit ist weiterhin Homeschooling angesagt – und die Folgewoche sieht noch schlimmer aus, nämlich wie das reinste Chaos.

Statt der versprochenen „Lockerungen“ haben wir Eltern (meistens: die Mütter) es nun mit albtraumhaften Dreifachfallstricken zu tun, als da wären: Immer noch die eigene Arbeit mit der Homeschool vereinbaren (was unmöglich ist im Homeoffice), inklusive Performance als Chef de la cuisine, zweitens innerhalb der drei Stunden Schulprogramm zweimal zur Schule fahren und das jüngere Kind an die Corona-verordnete Bringstelle verfrachten und dort pünktlich wieder abholen, drittens die neuen Stundenpläne und alle Aufgaben FÜR DEN NÄCHSTEN TAG per E-Mail lesen, verstehen und mit den Kindern abarbeiten. Nicht zu vergessen: Sämtliche Hygieneregeln besprechen und unterschreiben, dass man sie WIRKLICH besprochen hat.

Mittagessen in der Schule: Fehlanzeige! Wegen des Abstandsgebotes gibt es – wenig überraschend – nicht genügend Plätze für die Einnahme des Mittagessens. Wer da nicht systemrelevant beruflich eingebunden ist, hat wenig Chancen auf ein Mittagessen. Was okay ist, klar, ich koche gern Spaghetti Bolo und meine neuste Entdeckung sind Tiefkühl-Marillenknödel. Die schmecken super und sind in 12 Minuten fertig. Es ist nur eine Frage logistischer Finesse, mehr nicht!

Aber Lockerung, das klingt anders. Das klingt besser. Das klingt nach Spaß! Für Eltern ist die Situation tatsächlich nur mit sehr viel Humor zu ertragen, wahlweise mit viel Musik oder was anderen Menschen auch immer einfallen mag, um bei Laune zu bleiben, obwohl man am liebsten laut schreiend einmal um den Block rennen würde.

Umso schlimmer, dass sich die Gelangweilten (oder schon-immer-Wütenden oder Genervten oder Verschwörungstheorieliebhabenden) an den Wochenenden zu Hygiene-Demos zusammentun und die Existenz des Virus leugnen: Ihnen gehen die Lockerungen nicht schnell genug, die politischen Verordnungen seien undemokratisch und hinter allem würde Bill Gates stecken, der die Weltbevölkerung dezimieren wolle. Impfgegner:innen, lese ich, finden sich auf dem Alex ein, um gegen die Regierung oder die „Elite“ oder „die Politiker“ zu protestieren. In der Heute-Show gibt ein Teilnehmer zu Protokoll, dass er dieses ominöse Virus endlich mal sehen wolle, er glaube sonst einfach nicht daran!

Mir fällt es hingegen schwer zu glauben, dass das Zeitalter der Aufklärung bereits hinter uns liegt. Hat eigentlich jemand von den Hygieniker:innen verstanden, worum es bei der repräsentativen Demokratie geht, die sie gerade als gestorben beweinen? Ein Blick in die USA lohnt sich allenfalls. Dort sind die Früchte zu bewundern, die jahrelanges Anti- und Wut-Staatsangst-Geheul bewirken und was dieses mit der repräsentativen Demokratie zu machen imstande ist. Wem da kein Schauer über den Rücken läuft, der solle gern am nächsten Samstag zum Rosa-Luxemburg-Platz hygienisch demonstrieren gehen.

Ich mache derweil Sachkunde-Experimente mit meiner Tochter, lerne Englisch-Vokabeln mit meinem Sohn und warte darauf, dass die Lockerungen auch für mich locker werden. So ein bisschen Lockerheit hat noch niemandem geschadet.

#15+++Corona-Blog+++

Allgemein, Corona, FürSorge, Solidarische Politik

Sind die Lobbyforderungen nach Coronahilfe angemessen? Wie Corona den Finger in viele offene Wunden der Gesellschaft legt

Der Corona-Alltag ist zur Routine geworden: Desinfektionsspray und Mundschutz gehören zur Normalausstattung beim Schulbesuch (der natürlich nur zwecks Austausch von Arbeitsmaterial stattfindet), jetzt sogar beim Einkauf oder beim Arzt. An die bunten Gesichtsbedeckungen haben wir uns schneller gewöhnt, so scheint es, als an das Tragen von Fahrradhelmen beim Radeln. Vor nicht einmal sechs Wochen hätte das niemand für möglich gehalten. Die Abstandsregeln sind selbstverständlich geworden, ein Ausweichen wird nicht mehr mit argwöhnischem Blick beäugt. Im Supermarkt in der Markthalle 9 wurden Kund:innen gestern erstmals hinaus gebeten, die ohne Mundbedeckung wagten, einzutreten. Sogar Berlin macht ernst. Zeit also, um sich andere Pandemiegedanken zu machen als nur über Ansteckungszahlen.

Etwa darüber, mit welcher beachtlichen Selbstverständlichkeit Lobbygruppen staatliche Hilfe einklagen. Es ist nicht nur das Hotel- und Gaststättengewerbe; und auch nicht die Autobranche allein, wobei der VW-Vorstandschef im Tagesthemen-Interview kürzlich den Vogel abschoss mit seinem hilflosen Herumgeeier zur Boni- und Dividenden-Kürzung. Nach bühnenreifem Gestammel brachte er über die Lippen, als „letztes Mittel“ würde dies vielleicht irgendwann doch noch in Betracht gezogen. Eine zweifelhafte Einstellung, wenn der Staat gerade die Gehälter der Angestellten übernimmt. Es ist auch nicht nur die finanzielle Staatshilfe für Lufthansa, die von dem Luftfahrtkonzern nur ohne staatliche Aufsichtsratsmitglieder in Kauf genommen würde. Also vermutlich lieber Insolvenz (dann spart sich der Konzern die Pensionsansprüche von Mitarbeitenden).

Die Handlungsmaxime, die dahinterliegt: Den Staat maximal zur Kasse zu bitten

Nein, es ist die Summe, die den Braten fett macht, und zwar das Kalkül und die Handlungsmaxime, die dahinterliegen, nämlich den Staat maximal zur Kasse zu bitten, ohne dafür auch nur kleine Stellschrauben im Prozedere verändern zu wollen. Plötzlich hören wir Sätze wie „Das Kurzarbeitergeld steht uns zu, das haben wir jahrelang eingezahlt“ von Arbeitgeber:innen. Gerade so, als wäre der Sozialstaat ein nach Gusto einsetzbares Gewürz für Konzerne, das diese für ihre Speisen nur dann gerne verwenden, wenn es den Geschmack ihres Gerichts nicht verändert.

Corona-Elterngeld: Ein Segen für Kinder

Es gibt auch andere Forderungen, etwa der Elternlobby. Sie fordern im Gleichklang mit dem DIW ein Corona-Elterngeld, das die Vielfachbelastung berufstätiger Eltern anerkennt und vor allem die Nöte der Kinder berücksichtigt. Das Corona-Elterngeld soll es Eltern ermöglichen, ihre Arbeitszeit ohne Lohnabzüge zu reduzieren. Der Aufruf des DIW setzt sich für Familien und Alleinerziehende ein, in denen „beide Elternteile gemeinsam 40 Stunden arbeiten“. Schade, dass dieser Aufruf erst so spät an Aufmerksamkeit gewinnt, jetzt, wo die Kitas bald wieder öffnen.

Eine weitere Lobbygruppe, der zu Beginn des Shutdowns viel Aufmerksamkeit gewidmet war, sind die so genannten Soloselbständigen und Freiberufler:innen. Ich gehöre auch dazu, kann mich aber glücklicherweise nicht über Auftragseinbrüche beklagen. Andere aber sehr wohl. Facebook-Freund:innen rufen mich momentan dazu auf, die Corona-Soforthilfen für Selbständige mit einer Petition zu beanstanden. Denn die ausgezahlte Mindesthilfe über 5000 Euro ist an betriebliche Ausgaben geknüpft. Dass, so die Petition, sei nicht in Ordnung, denn die Solo-Selbstständigen können mit dem Geld weder Miete, Essen oder andere Lebensmittel bezahlen. Die Ausgaben werden nämlich später überprüft, es handelt sich also weder um staatlich geschenktes Geld noch um eine dicke Sozialhilfe. Das Argument der Kritiker:innen ist, dass viele durch das ALG-2-Raster fallen würden. Im Klartext: Es besteht kein Anspruch auf Hartz-IV, aber genug Geld für die Miete ist auch nicht drin. Ich kenne einige, die darunter fallen.

Corona zeigt neue politische Wege, die jenseits von stigmatisierendem Hartz-IV und sozialstaatsaus-hebelndem Grundeinkommen liegen können

Aber Fakt ist auch, dass es ihnen ohne Corona schon so ging, entweder weil der Partner oder die Partnerin zu viel verdienen oder weil das Ersparte gegen einen Hartz-IV-Antrag spricht, oder auch schlicht, weil das Stigma Hartz-IV nicht auszuhalten ist. Es ist fragwürdig, ob eine Corona-Soforthilfe als Sozialhilfe hier das Mittel der Wahl sein kann. Im Grunde zeigt die Problematik auf ein soziales Problem, das auch vor Corona bestand, dass nämlich viele fleißige Menschen von ihrem Schreiben und Übersetzen, ihrer Kunst und Kultur nicht überleben können, aber verständlicherweise kein Hart-IV beantragen wollen. Es ist kein Wunder, dass diese Lobby auch ohne Corona laut nach einem Grundeinkommen verlangt. Problematisch ist daran, dass der Sozialstaat von dieser Lobby unwissentlich und unabsichtlich untergraben wird. Der Grundkonflikt, der dann immer noch zwischen Kapital und Arbeit bestünde, würde mit einem Grundeinkommen zugedeckt und jegliche Instrumente, die der Sozialstaat zur Konfliktbefriedung ausgebildet hat, würden als überflüssig erachtet. Eine Lösung könnte ein staatlicher Zuschuss für Solo-Selbständige sein, so wie jetzt die Corona-Soforthilfe. Die Krise zeigt tatsächlich neue politische Wege auf, die jenseits von stigmatisierendem Hartz-IV und sozialstaatsaushebelndem Grundeinkommen liegen könnten.

Corona legt den Finger in viele offene Wunden der Gesellschaft

Aber wie sieht eigentlich der Alltag als soloselbständige Mutter mit zwei Kindern in der Homeschool aus? Wäre ich alleinerziehend, es ginge mir arg an den Kragen, nicht nur finanziell und arbeitstechnisch. Mein Mann kann besser homeschoolen als ich. Meine Kinder finden, er habe mehr Geduld. Nur leider muss er (oder darf?) öfter zur Arbeit. Dann stehe ich da und versuche, die Tochter zum Rechnen zu überreden und gleichzeitig Mittagessen zu kochen. Wenn ich es an den Schreibtisch schaffe, müssen nebenbei Streitereien geschlichtet, Bleistifte angespitzt und Arbeitsanweisungen nachvollzogen werden. Da mein Problem nicht die Auftragslage ist, besteht es momentan eher in der Ausführungslage. Wie soll ich meine Arbeit bewältigen, wenn ich gleichzeitig Grundschullehrerin spiele? Sorgearbeit und Arbeitsleben, es zeigt sich einmal mehr in seiner Unvereinbarkeit. So legt Corona den Finger in viele offene Wunden unserer Gesellschaft.

#11+++Corona-Blog+++

Allgemein, Corona

Woche 2: ZOOM-Sport in Zeiten von Corona

Der Corona-Virus bringt nicht nur Schreckensnachrichten mit sich, sondern im Kleinen auch etwas Gutes, das erfuhr ich heute in einem Radiointerview mit Sawsan Chebli, Staatssekretärin in Berlin. Sie betont die Nachbarschaftshilfe und die Bereitschaft von Vielen, ihren Mitmenschen durch die Krisenzeit helfen zu wollen. Heute denke ich, dass mein Nachbar mit seiner verunglückten Mitteilung an die Hausgemeinschaft genau das signalisieren wollte. Manchmal verunglückt das Gutgemeinte.

Was im Kleinen auch gut läuft ist das Ausprobieren von Neuem. Krisenzeiten laden immer zum Experimentieren ein. Ohne Experimente würde mein Sportverein, der Schokosport e.V., nicht überleben. Übrigens auch die Musikschule, die in ihrem amtlichen Schreiben sogar einen freundschaftlichen Ton anschlägt, vom gemeinsamen Ausprobieren neuer Wege ist da die Rede. Sympathisch. Musikunterricht per Videotelefonie.

Kein Wunder, dass Peter Altmaier hingerissen ist vom Digitalisierungsschub für die Unternehmen, bei allen negativen Nachrichten derzeit. Und so machte ich gestern meinen ersten digitalen Sportkurs über die Plattform zoom. Skypen war früher, heute wird gezoomt.

Das Programm ist ideal für Video-Meetings aller Art und mein Sportverein, der seinen Mitgliedern ein Online-Angebot machen möchte, geht mit Meeting-ID und Zugangs-Passwort auf Nummer sicher, dass nur die Angemeldeten teilnehmen können.

Neben der Kursleiterin ist nur eine weitere Teilnehmerin dabei, ich sehe sie und ihr Wohnzimmer samt Hängematte in einem kleinen Fenster. Hübsche Einrichtungsidee, ein Kachelofen, der zum Regal umfunktioniert wurde. Ich muss mich erstmal eingrooven, zuerst ist meine Internetverbindung zu schlecht, dann ziehe ich auch ins Wohnzimmer. Jetzt habe ich weniger Platz und bin zwischen Sofa, Tür und Tisch eingeklemmt, aber hier kann ich immerhin das ungewohnte Sport-Programm im Homemodus starten.

Tatsächlich entsteht ein virtueller Sportraum durch uns drei Teilnehmenden, aber in meinem Kopf entsteht ein ganz neuer Raum, in dem ich mich nur auf die Bewegungen konzentriere, ein imaginierter Sportraum, losgelöst vom realen Raum, in dem ich mich befinde. Das Wohnzimmer verschwindet um mich herum und ist in diesem imaginierten Sportraum nicht mehr existent, eine faszinierende Erfahrung.

Und noch etwas fällt mir hinterher auf: Eine Liveschalte ist tausendmal motivierender als ein YouTube-Video, bei dem die Trainer:in einen nicht sieht oder hört. Durch die Kommunikation mit den anderen während der Videokonferenz entsteht eine stärkere Teilnahme, Geräusche, Lachen, Zustimmung, all das wirkt sich positiv auf meine Anstrengungsbereitschaft aus. Bis die Tür aufgeht und die Kinder mich fassungslos anstarren. Aber sie sind nur für einen kurzen Moment überrascht. Es bringt sie zu Zeit nichts mehr wirklich aus dem Konzept, Alltag war gestern. Heute ist sowieso alles anders.

Stadt in Zeiten von Corona

Allgemein, Berlin, Corona

Wir erleben gerade, wie städtisches Leben zum Erliegen kommt, obwohl kein Krieg, keine Vertreibung, keine Wirtschaftskrise die Menschen aus der Stadt gedrängt haben. Mit dem Corona-Virus erleben wir ein städtisches Shutdown von Innen heraus, ein herbeigeführter, planvoller Herzstillstand eines voll funktionsfähigen städtischen Körpers.

Das Urbane lebt von den möglichen Begegnungen einander fremder Menschen, sei es mit der von Georg Simmel beschriebenen Blasiertheit und der Reserviertheit der Großstädter, oder in der Vielfalt eines Mosaiks fremder Welten, das die Chicagoer Schule einst beschwor. Wie auch immer das Urbane charakterisiert wird, ohne das Aufeinandertreffen von vielerlei unterschiedlichen Menschen existiert keine Urbanität. Oder doch? Was passiert mit der Stadt in Zeiten von Corona?

Orte spielen keine Rolle mehr

Das öffentliche Leben wird in den nächsten Wochen still stehen. Clubs, Cafés, Theater, Schulen und Bibliotheken in Berlin werden schließen. Ein einmaliger, nie dagewesener Zustand, noch nicht einmal zu Wendezeiten gab es einen solchen Einschnitt. Der private Raum wird die Öffentlichkeit ersetzen: Journalistinnen und Journalisten, Politikerinnen und Politiker, alle Arten von Medienschaffende und andere Arbeitnehmer:innen agieren von zu Hause aus. Orte spielen keine Rolle mehr: der Lehrer kann seine Schulklasse trotz Schulschließung per Computer erreichen, genauso wie die Chefin ihr Team. Die Digitalisierung ermöglicht die Suspendierung der räumlichen Kategorie aus unserem Leben, aber gleichzeitig wird diese räumliche Komponente so bedeutsam wie nie zuvor in der Frage, wie sich das Corona-Virus ausbreitet.

Heute haben sich die Orte des Elends aus den Städten an die Peripherie Europas verlagert

Die Stadt ist räumlich betrachtet tatsächlich die ideale Brutstätte von Epidemien, und das ist sie schon immer gewesen. Die Geschichte der Stadtforschung, großartig nacherzählt von Rolf Lindner, zeigt die Spuren von Cholera-Epidemien und den Kampf um kontrollierende Hygienemaßnahmen als Geburtsstunde der Stadtforschung. Damals, zu Beginn der Industrialisierung und des explosionsartigen Stadtwachstums, waren die Armen- und Arbeiterquartiere von London und Paris berüchtigt. Friedrich Engels schrieb im 19. Jahrhundert beeindruckende und schauderhafte Reportagen über das Elend im verslumten London. Alles, was uns heute in Sicherheit wiegt, gab es nicht: Genügend Krankenhäuser, Krankenversicherungen, Hygieneregeln und fließendes (Ab-)Wasser in den Wohnungen. Heute haben sich die Orte des Elends aus den Städten an die Peripherie Europas verlagert, sie heißen Lesbos und Moria und sind die wahrhaft bedrohten Räume, wenn das Virus zuschlägt. Die Vulnerabilität dieser peripheren und provisorischen Städte ist beschämend und ihre Verdrängung aus dem öffentlichen Diskurs genauso.

Die Digitalisierung ermöglicht das Aufrechterhalten einer Scheinnormalität

Was in den urbanen Zentren hingegen entscheidende Sicherheit verschafft, ist die Digitalisierung. Durch sie sind Menschen den früheren Epidemie-Zuständen weit überlegen: Die Nachrichten erreichen heute nahezu jeden von uns sekündlich bis stündlich, und vielerlei Arbeit ist vom Home-Office aus zu erledigen. Kinder und Studierende erhalten Online-Tutorials, Videokonferenzen erleichtern Teamabsprachen und ersetzen ganze Meetings – welch Ironie, dass so manch konservativ handelnder Verband erst jetzt einsehen wird, dass eine Skypekonferenz den Inlandsflug ersetzen kann. Denn in Arbeitsfragen sind oft gar keine dreidimensionalen Treffen nötig, um Inhaltliches zu regeln. Die Digitalisierung ermöglicht das Aufrechterhalten einer Scheinnormalität. In Lebensfragen ist das etwas anderes: Hier geht es um Berührungen, um das Berührt-Werden. Ein Leben ohne Berührungen, das ist wie ein Wald ohne Bäume. Berührung ist lebensnotwendig, und der Austausch, die Begegnungen zwischen Menschen sind schon immer der Motor für jegliche Art des Fortschritts gewesen.

Corona zeigt uns deutlich, was das Urbane ausmacht, weil es abwesend sein wird

Insofern zeigt uns Corona in aller Deutlichkeit, was das Urbane ausmacht. Das Urbane ist das, was in den kommenden Wochen abwesend sein wird: Der öffentliche Raum für spontane Begegnungen und Austausch, das Zusammenkommen zur Unterhaltung, zum Informationsaustausch, zum Tanzen, zur Kinderbetreuung, zur Beratung, zum Beten, zum Lernen, zur Bewegung, zum Kulturkonsum, kurz: zum gemeinsamen Erlebnis mit allen Sinnen. Die digitale Begegnung ist kein adäquater Ersatz und wird es nie sein, denn sie hält nur zwei Facetten der Begegnung für uns parat – das ist die verbale, und zwar die eindimensionale, verbale Begegnung, und die zweite Facette kann das Visuelle sein. Interaktive Begegnungen im Netz können verbal und visuell sein, aber sie sind immer darauf begrenzt. Selbst wenn eine Cyberbrille im Spiel ist, bleiben die restlichen Sinne weitgehend unberührt, der Kasten des Geschehens bleibt bei aller Illusion des Berührtseins und der Involviertheit die Cyberbrille. Die Rede von „Sinnlosigkeit“ bekommt so seine ursprüngliche Bedeutung zurück.

Urbanität braucht den ganzen Menschen

Das urbane Moment der Vielfalt, die Möglichkeit des zufälligen Aufeinandertreffens von unterschiedlichsten Individuen, ist in digitalen Öffentlichkeiten nicht vorgesehen. Urbanität bedeutet nicht nur Vielfalt, sondern auch körperliches Aufeinandertreffen. Stadt kann also nie nur digital oder virtuell sein, Urbanität braucht den ganzen Menschen oder bildlich gesprochen den ganzen Leib.

Was heißt das nun für die Stadt? Ihre sinnlichen Vorzüge werden nunmehr virtuell und damit verkürzt erlebt (etwa die Übertragung eines Konzertes aus der Elbphilharmonie per Livestream oder die Einrichtung einer digitalen Concert Hall der Philharmoniker), die sinnlichen Nachteile (Autoverkehr, Lärm und Luftverschmutzung) werden abnehmen. Aber die Stadt als Lebens- und Erfahrungsraum wird vorübergehend stillgelegt. Wenn man so will, lähmt das Virus die Stadt, wenn die Stadt das Virus lähmen will.

Praktiken des nachbarschaftlichen Miteinanders ersetzen im städtischen Ausnahmezustand die urbane Anonymität

Andererseits wächst eine neue Art nachbarschaftlicher Solidarität. Die Jüngeren erledigen Einkäufe für Ältere, klopfen an und fragen, ob sie helfen können. Die Anonymität der Großstadt weicht einer nachbarschaftlichen Praxis kleinräumiger Hilfe. Der vielbeschäftigte Vater von nebenan ruft an und fragt, ob die Kinder in den nächsten Tagen miteinander spielen können. Die Mutter von oben organisiert eine Kinderbetreuung für die erste schulfreie Woche. Es sind diese Praktiken des Miteinanders, die das suspendierte Urbane auffangen und zeigen, wie Stadt in Zeiten von Corona funktionieren kann.

Das wichtigste für die SPD: Esken und Walter-Borjans sind ein gutes Team

Allgemein, Solidarische Politik, SPD

Die Medien reagierten am Wochenende mit Häme auf die Wahl von Saskia Esken und Norbert Walter-Borjans zum neuen Führungsduo der SPD. Dabei ist das reflexartige SPD-Bashing von Journalist*innen (Cicero, ZEIT, FAZ etc.) und ehemaligen SPD-Chefs (etwa von Gerhard Schröder, Martin Schulz oder die „Warnung“ von Franz Müntefering im Tagesspiegel) zu einem so mantrahaften Ritual verkommen, dass wirklich jedem Beobachtenden des Zeitgeschehens klar wird: Es kann nur gut für die SPD sein, was sie sich selbst soeben verordnet hat.

Risiken einzugehen ist seit jeher ein gutes Mittel, um Gefolgschaften zu beeindrucken

Nämlich ein Ende des Weiter-so. Ein Wagnis. Ein Experiment mit einer Außenseiter-Doppelspitze. Wir müssen keine Expert*innen von Charisma-Diskursen sein, um zu erkennen, dass die SPD-Mitglieder auf eine krisenhafte Situation mit einer richtigen Entscheidung reagiert haben. Risiken einzugehen ist seit jeher ein gutes Mittel, um Gefolgschaften zu beeindrucken und Bindungskräfte zu entfesseln. Mit dem Ausstrahlen von Charisma haben es die alten Volksparteien seit Jahren immer schwerer. Ihre uncharismatischen Führungsfiguren sind mit ein Grund für ihre Misere. Aber diese wird in den Parteien selbst produziert. Die vorgezeichneten, mit Mühsal von Parteiebene zu Parteiebene weisenden Aufstiegswege von pragmatisch-berechnenden Politiker*innen (die früher männlichzentriert allen Ernstes „Ochsentour“ genannt wurde) zeigen uns nämlich weder, wie fähig und widerstandsfähig, noch wie moderierend oder mit welchem inhaltlichen Instinkt das Parteispitzenpersonal am Ende dieses Weges ausgestattet sein wird. Das einzige, was dieser Weg wirklich zeigt, ist die beachtliche Leidensfähigkeit und Beharrlichkeit, die Politiker*innen bekanntlich auch brauchen. Aber wo frühere Parteivorsitzende die Klaviatur der Machtspiele mit Bravour beherrschen mussten, sind heute andere Skills gefragt: Teamfähigkeit etwa. Oder ein Gespür für die richtigen Themen zum richtigen Zeitpunkt und – siehe Angela Merkels Stuhlkleber – Moderationsfähigkeit.

Franziska Giffey ist das jüngste Beispiel, dass der klassische Karriereweg in der Politik ausgedient hat

Der Eindruck, dass klassische Parteikarrierewege ausgedient haben, wenn es um Beliebtheit und Wähler*innengunst geht, ist kein neuer Befund: Franziska Giffey ist das jüngste Beispiel dafür. Von der Bürgermeisterin eines Berliner Stadtteils wurde sie zur Bundesministerin – und dort hat sie sich in kurzer Zeit enormen Respekt verdient. Zuletzt bewies sie mit ihrem klugen Abwarten, was die Entscheidung über die Plagiatsvorwürfe ihrer Dissertation betraf, politisches Geschick. Auch Manuela Schwesig musste sich erst anhören, wie unerfahren sie sei, bevor ihr im Nachgang großes politisches Talent attestiert wurde. Annalena Baerbock und Robert Habeck sind weitere Beispiele von steilen Karrieren, die niemand vorausahnen konnte. Bleibt man bei den Grünen, dann zeigt sich ihr momentaner Erfolg als eine Mischung aus Glaubwürdigkeit beim Themenschwerpunkt Klimawandel und ihrem Spitzenteam Baerbock/Habeck, das unbeirrt kooperativ und loyal miteinander umgeht und für das Thema anstatt gegeneinander kämpft.

Wenn eine solch kooperative Performance mit dem Etikett SPD versehen wird, dann können inhaltliche Debatten viel konstruktiver geführt werden als es bislang der Fall war

Die Unerfahrenheit und die Linkslastigkeit des neuen Spitzen-Tandems der SPD erklärt nicht allein, wieso mit deren Wahl (mal wieder) der Untergang und das Ende der SPD herbeigeredet wird. Denn in einer solch krisenhaften Situation, in der die SPD schon unter die 10%-Marke bei Landtagswahlen abrutschte, ist es völlig legitim, Risiken zu wagen und Neues auszuprobieren. Wer hat wahrhaftig in Olaf Scholz einen Retter der SPD gesehen? Dessen Tandempartnerin wie eine Quotenfrau behandelt wurde? Ein „Weiter-wie-bisher, aber mit Pauken und Trompeten“, hätte es geheißen. Die Schlagzeilen über den Abgesang einer Scholz-SPD wären vermutlich nicht weniger verheerend ausgefallen, mit dem Ergebnis, dass die SPD mit Olaf Scholz demnächst einen weiteren führenden Politiker weniger gehabt hätte. Zuletzt erging es so Andrea Nahles, von der man gar nichts mehr hört. Nein, das Team aus Esken und Walter-Borjans ist in seiner Unbekanntheit geradezu erfrischend für die SPD, und unbekannt bedeutet nicht unerfahren. Walter-Borjans kann regieren, Esken kann Bildungspolitik moderieren, sie kann Bundestag und Digitales und hat trotzdem drei Kinder. Beide haben ihren ersten Tandem-Auftritt bei Anne Will souverän gemeistert, und zwar als echtes Team: Einander zugewandt, sich gegenseitig unterstützend, loyal und einander ergänzend. Bei Anne Will überwog der Eindruck: Wenn das die neue SPD-Spitze wird, dann performt sie ein Füreinander anstatt das ewig gewohnte Gegeneinander. Wenn eine solch kooperative Performance mit dem Etikett SPD versehen wird, dann können inhaltliche Debatten viel konstruktiver geführt werden als es bislang der Fall war.

Der Abgesang auf die SPD gleicht einer Beschwörungsformel, die nun hohl geworden ist – und als solche plötzlich sichtbar wird

Und ihren Patzer bei einem geradezu höhnischen Markus Lanz darf man Saskia Esken demnach auch verzeihen. Mediale Unbedarftheit bedeutet nicht gleich Unfähigkeit. Schaut man sich Eskens Internetauftritt an, dann kommt die Frau bodenständig-symphatisch rüber, mit Gitarre in der Hand. Sie steht zu ihrer langen Kinder-Auszeit, auch das ist für die SPD ein Gewinn. Und an alle Genoss*innen, die es kaum erwarten können, ihre eigenen Leute schlecht zu reden: Wartet doch erst mal ab, ob nicht eine Frau, die es in der SPD-Fraktion schwer hat, genau die richtige ist, um der Partei die nötige Glaubwürdigkeit zurückgeben zu können.

Die unerwünschten Nebeneffekte urbaner Wohnlösungen oder: Der Tag, an dem mein Display zerbarst

Allgemein, Berlin, Gentrifizierung, Stadt & Architektur

Mit Familie in Berlin zu leben heißt, erfinderisch zu sein. Mit heranwachsenden Kindern wohnt nur komfortabel, wer kreative Lösungen für die zu eng gewordene Wohnung sucht – umziehen kann sich in Berlin sowieso niemand leisten, der durchschnittlich verdient und der Innenstadt treu bleiben möchte. Zu Beginn der Familienphase bedeutet die klassische Kinderzimmerlösung in allen Wohnungen der urbanen Mittelschicht: Hochbett. Und ganz speziell in dem Umfeld, in dem ich Kinderzimmer 4-köpfiger Familien besucht habe: Billy-Bolly-Hochbett.

Es hat eine Rutsche und einen Balken mit Tarzanseil und ist so etwas wie das Must-have der urbanen Mittelklassefamilie: Das Billy-Bolly-Hochbett

Es hat eine Rutsche und einen Balken mit Tarzanseil und ist so etwas wie das Must-have der urbanen Mittelklassefamilie, so wie früher der Reanult Espace. Vielleicht stimmt das vor allem für das liberale und alternative Milieu, aber neulich hat ein Bekannter stolz ein Foto von seinem neu erworbenem Billy-Bolly-Hochbett gepostet, und der gehört eher zum modernen Arbeitnehmermilieu. So ein Abenteuer-Hochbett aus Holz steht nämlich symbolisch für viel mehr als nur die Schlafstätte der Kinder: Es zeigt, dass man sich pädagogisch wertvolle Gedanken um die maximale Bewegungs- und Spielmöglichkeiten der Kinder macht, und zwar der wohnungsbedingten Enge zum Trotz. Es zeigt, dass man auf Naturmaterialien setzt, weil einem das wichtig ist und man es kann. Es zeigt, dass man verstanden hat, was Kinder wollen und wie wichtig einem die Wünsche der Kinder sind. In den meisten Fällen wollte man früher selbst so ein Hochbett mit Rutsche haben. Durfte man aber nicht. Dann wäre das Billy-Bolly-Hochbett ein urbanes Familiensymbol des sozialen Aufstiegs, aber darüber führe ich noch eine innere Diskussion.

Natürlich wollten meine Kinder auch so ein tolles Rutsch-Abenteuer-Hochbett. Durften sie aber nicht. Dafür haben wir jetzt eine Hochebene, kreative Lösung Nummer 2 in Berliner Altbauwohnungen, wenn die Kinder aus dem Hochbettalter rausgewachsen sind. Sie ist ein herrlicher Raumgewinn. In meiner ersten Berliner Wohnung, einer 8er WG in einer Fabriketage, gab es gar eine ganze Hochetage nur für Kinder, mit Türen und Klappen zum durchklettern – ein Überbleibsel der Kommunebewegung aus den 1970er Jahren.

Die Schicksale von urbanem Arbeitsgerät und urbaner Wohnlösung kreuzten sich unerquicklich

Jetzt also freuen wir uns über unsere eigene Hochetage, auch wenn sie vor allem ein großes Bett ist. Aber so eine urbane Raumwunderlösung hat auch ihre Tücken. Vorgestern nämlich ist mein Smartphone von dort oben runtergefallen. Wie auch immer es geschehen konnte, es kam zu dieser Verkettung unglücklicher Umstände, die unweigerlich das worst-case-Szenario herbeiführte. Die Schicksale von urbanem Arbeitsgerät und urbaner Wohnlösung kreuzten sich unerquicklich. Das intelligente Telefon rutschte mit Display voran zwischen dem Geländer hindurch und ein kurzer, völlig unangemessen leiser Knall kündigte seine Landung auf dem harten Fußboden an. Das Display war zerborsten, aber noch schlimmer sahen die wie mit schwarzer Tinte gefüllten Reste auf dem Bildschirm aus: Als hätte jemand das Nildelta bei Nacht auf mein Display projiziert, und leider war die ganze untere Hälfte das Nildelta. Also schwarz. Mit sanften, bunten Digitalstreifen durchzogen. Ich konnte es nicht fassen und versuchte fieberhaft, die letzten Chats noch einmal zu lesen, die ich als nächstes hätte beantworten wollen. Immerhin funktioniert der Touchscreen noch! jubelte ich. Aber wem nützt das schon, wenn eine Hälfte des Spielfelds unkenntlich schwarz bleibt? Durch das jahrelang eingeübte blinde Eintippen meines sechs-stelligen Codes konnte ich das Telefon immerhin im Handumdrehen entsperren. Also kann es auch nicht so schwer sein, eine Nachricht zu versenden, frohlockte ich.

Unsere urbane Raumlösung hat mich vermutlich ins soziale Abseits katapultiert

Da war nämlich dieser Elternsprecherchat aus der Jül-Klasse, den musste ich noch unbedingt beantworten! Ich lese: „Wer kann am Dienstag zur Gesamtelternversammlung gehen?“ „Ich nicht!“ „Ich leider auch nicht, sorry.“ (Wir sind wirklich zu viert!) Aber ich kann. Ich muss diese 2 Worte bloß irgendwie auf das Display phantasieren. Es geht bestimmt! Also bemühe ich mich, wo war noch das i und wo das k? Gott sei Dank gibt es diese automatische Worterkennung, da brauche ich nicht alle Buchstaben. Aber immer wieder erscheinen die falschen Buchstaben im Textfeld. Ich suche die Löschtaste, natürlich ist auch die im schwarzen Nildelta verschwunden. Irgendwann habe ich es geschafft, und zwar die beiden Worte: ich geh ! Ich drücke den imaginierten Sendebutton. (Dass all das überhaupt möglich ist nach einem 2,50-Meter-Sturz!)

Es scheint zu klappen, die obere Hälfte zeigt mir eine abgeschickte Nachricht. Aber dann scrolle ich durch das Nachrichtenfeld und sehe, was ich da gerade abgeschickt habe. Wirklich unglaublich, was mein kaputtes Display da macht. Unsere urbane Raumlösung hat mich vermutlich ins soziale Abseits katapultiert. Ich sehe also meine Nachricht:

Und

 

M

 

Ö

 

U

 

U

 

Umm

 

Ich geh !

Im Grunde eine clevere Lösung: Schlafen im Arbeitszimmer.

Eribons Präsident. Eine Diskussion mit Didier Eribon und Edouard Louis in der Paul-Simon-Galerie über Macron

Allgemein, Berlin, Solidarische Politik, Stadt & Architektur

Im Rahmen des Literaturfestes wollte ich unbedingt Didier Eribon und Edouard Louis hören, die erfolgreichen französischen Autoren der Stunde. Das Buch „Das Ende von Eddie“ hatte ich gerade gelesen, und Eribons „Rückkehr nach Reims“ vor Jahren, beide werden in Berlin inzwischen am Theater gehypt. Die Veranstaltung fand am 19.9.2019 in der Paul-Simon-Galerie statt.

Zwar war mir schon die unerbittliche Haltung Eribons gegenüber seinem Vater in „Rückkehr nach Reims“ negativ aufgefallen. Offenbar hatte der ihm seine kleinbürgerliche Homophobie nie verzeihen können, auch nicht als Greis, und das fand ich klein, auf undurchsichtige Weise eitel – aber was diese Haltung, die dahinter steckte, dem Abend bringen würde, das sprengte doch meine Vorstellungskraft. Edouard Louis hingegen hatte mich beeindruckt durch seinen Mut zur Schonungslosigkeit in seiner autobiographischen Erzählung über das Ende von Eddie. Die räumlichen und sozialen Verhältnisse seiner Biographie entstehen grau und trist vor dem inneren Auge, seine Herkunft aus dem proletarischen Milieu in Nordfrankreich schildert er genauso ehrlich wie seine Not, seine Erniedrigung, seine Sehnsucht. Im Gegensatz zu Eribon erschien mir Louis auf erfrischende Weise uneitel.

So brilliant ihnen die Selbstbespiegelung in Romanform gelingt, so schlecht funktioniert diese als Methode zur politischen Analyse.

Nun war aber das Thema des Abends nicht das literarische Comingout homosexueller Aufsteiger (Eribon ist Soziologieprofessor) oder Studenten (Louis ist Mitte zwanzig), sondern Frankreich unter Macron. Und das war leider ein Verhängnis für die Schriftsteller im Auditorium der Paul-Simon-Galerie. Denn so brilliant ihnen die Selbstbespiegelung in Romanform gelingt, so schlecht funktioniert Selbstbespiegelung als Methode zur politischen Analyse. Mitdiskutant war der Autor Geoffroy de Lagasnerie, der ein wenig herausstach an diesem Abend.

Der Saal war ausverkauft, mehr als 400 Plätze besetzt. Übrigens ein eleganter Ort von außen, dieser neue Eingang zum Pergamonmuseum, aber das Auditorium erinnert sehr an einen Luftschutzbunker, aufgebaut wie ein Hörsaal, Sichtbeton ringsum, graue Tristesse. Die physische Beschaffenheit des Gebäudes stand symbolisch für den Abend: Die weißen Stelen der Paul-Simon-Galerie korrespondieren draußen klug und gewitzt mit den antiken Säulen der Museumsinsel, ihr Versprechen ist nicht mehr und nicht weniger als eine stilistische Brücke zwischen dem 21. und dem 18. Jahrhundert zu schlagen. Innen angekommen erweist sich die moderne Architektur ähnlich wie das politische Denken der französischen Literaten als Enttäuschung – Ideenlosigkeit und graue Betonplatten soweit das Auge reicht.

Bourgois und violant – die Worte des Abends

Im Grunde war das Desaster also vorprogrammiert. Erinnern wir uns an Eribons Aufruf, dass Macron nicht sein Präsident sei und auch in der Stichwahl gegen Marine Le Pen unwählbar bleibe. Schon damals befremdete mich die fehlende Besonnenheit, die ich von einem Intellektuellen erwarte. Und tatsächlich, Eribon wetterte gleich los, dieser Macron sei nicht jung, sondern alt, und alles, was er tue und wie er sich bewege sei bourgeois durch und durch. „Bourgeois“ ist das meistgenannte Wort des Abends, neben „violant“, gewalttätig. Macrons Gewalt würde hingenommen, so Eribon, während er selbst eine aristokratische Performance hinlege, die das Publikum blende. Die Polizeigewalt und Gewalt gegen die Gilles jaunes, die Gelbwesten, würde niemand thematisieren, aber Macron tötet, so die Meinung des Soziologen. Die Kahlschlagpolitik des Präsidenten, das sei auch Gewalt, es gebe in Frankreich keine Demokratie mehr, denn vor lauter Poizeigewalt traue er sich nicht mehr, zu demonstrieren.

Louis kann ihm nur zustimmen, gemeinsam reden sie sich in Rage: Macron tötet, weil er das medizinische System ruiniere, er tötet, weil er Flüchtlingscamps räumen lässt. Angela Merkel hingegen wird von Louis zur Ikone glorifiziert, die in einem Europa des Schreckens Menschenleben rettet – Kinder von Geflüchteten werden Angela genannt, so Louis mit einem Seitenhieb auf den tötenden Präsidenten Macron. (Aber mit deutscher Politik kenne er sich nicht gut aus, räumt er Gott sei Dank ein). Nein, die Autoren können diesem Bourgeois Macron nur Abscheu entgegenbringen, das wird deutlich. Er ist der kalte Kahlschlag-Macron in den schicken Anzügen, der sich wie ein König gibt, dazu gibt es keine Gegenrede. Über Macrons Einlenken was die geplanten Kürzungen betrifft, über seinen Dialog mit den Gelbwesten, über sein Vorpreschen für Europa gibt es hier nichts zu hören.

Cohn-Bendit ins Gesicht spucken

Louis mag man seine Rage verzeihen, er ist jung, er hat seine sehr linken Ideale noch nicht mit dem Pfund des demokratischen Aushandelns abgewogen. Eribon aber stünde eine sachliche Kritik besser zu Gesicht: Als gutverdienender Professor und Buchautor hackt er auf der Bourgeoisie herum und biedert sich den jungen Schriftstellern und den Gelbwesten an. Und als Opfer von Macrons „Kahlschlagpolitik“ ist seine Wut allzu selbstverliebt, am liebsten möchte man ihm zurufen: Es sind deine Pensionen, die Macron kürzen will! Und es ist dein Renteneintrittsalter, das erhöht werden soll! Du sollst den Gürtel enger schnallen, zugunsten der jungen Generation, die neben dir sitzt! Darum geht es! Stattdessen dürfen sich da vorn drei Macronhasser ungebremst in Rage reden, Europa verteufeln und den Einsatz von Tränengas als diktatorisches Mittel und Mordinstrument brandmarken. Wer am selben Tag eine Reportage über die jahrelang weggesperrten russischen Demonstranten gelesen hat, kann nur staunen.

Die Moderatorin war auf die Plattitüden schlecht vorbereitet, sie intervenierte kaum, ließ die unsachlichen Tiraden über dem Publikum ergehen, bis dieses nach einer Stunde endlich in die Diskussion eingeladen wurde. Die erste Frage war zwangsläufig die nach der Ausgewogenheit der Diskussion, warum gab es keine Diskussion über Macron? Eribons lapidare Antwort: Er diskutiere nicht mit Leuten, die für Macron sind. Das verächtliche Schnauben im Publikum demonstrierte aufgestaute Unzufriedenheit im Saal, und die Anschlussfrage, ob er auch nicht mit Daniel Cohn-Bendit diskutiere, wies Eribon von sich: Dem würde er „ins Gesicht spucken“.

Ihr Zorn von links erinnert zu sehr an den Zorn von rechts

Mit dieser pubertären Aussage reichte es mir. Ich erhob mich und verließ den Saal, weil ich die ungebremste Aggression nicht mehr aushielt. Ich blickte in die fassungslosen bis belustigten Gesichter der anderen, als ich von vorne bis nach oben die Reihen passierte, nahm Kopfschütteln über die Veranstaltung wahr. Schade. Ich hatte mich gefreut auf die Franzosen, aber die Erkenntnis des Abends war, dass sie nicht ernstzunehmen sind. Ihr Zorn von links erinnert zu sehr an den Zorn von rechts. Und das Argument, die politische Rechte – wir nennen sie Konservative – würde das rechtsextreme Aufbegehren zu ihren Gunsten ausschlachten, das ist so sehr Weimarer Republik, dass mir echt schlecht wird.

Beim Durchstörbern meines Schreibtisches fiel mir später ein Leserbrief in die Hände, den ich vor fast zwei Jahren an die Süddeutsche Zeitung geschrieben haben musste, nachdem ich darin einen Artikel von Didier Eribon gelesen hatte. Ich musste schmunzeln, weil er meine Gedanken von heute Abend vorwegnahm.

Zu: SZ vom 10.10.2017 „Das ist nicht mein Präsident“ von Didier Eribon

Lieber Herr Eribon,

bei aller Sympathie für linke Politik – Ihre Argumente laufen ins Leere! Denn die Beispiele, die Sie für Macrons Kahlschlagpolitik nennen, sind allesamt auf diejenigen mit den dicksten Bäuchen bezogen: Pensionäre, Beamte und Hochschullehrer. Ich sehe nicht, warum in Zeiten des demograhpischen Wandels die Generation der Sattesten geschont werden soll, ferner sehe ich nicht, warum das Beamtentum in Frankreich nicht den Gürtel enger schnallen sollte. Hier wird Ihr Stand getroffen, sicherlich, aber die Ärmsten der Armen werden in dieses Jammern auf hohem Niveau nicht einbozogen. Und rassistische Polizisten können Sie nicht Macron persönlich anlasten. Nein, Ihre Argumente klingen wie ein Gebet aus dem letzten Jahrhundert, das verzewifelt an den Privilegien des Status quo festhalten will. Sie liefern damit leider das Wasser auf die Mühlen derer, die die nötigen Einschnitte populistisch ausschlachten werden. Das ist schade.

Inga Haese

Der Rückkehrblues. Gedanken nach dem Urlaub

Allgemein, LandLeben

Warum ist eigentlich der Tag nach der Heimkehr aus dem Urlaub immer so desaströs? Überdrehte Kinder, man selbst voller Zwiespälte ob der Innenstadtbezirk der richtige Wohnort ist, und eigentlich sollte man doch total erholt sein – so zumindest geht es mir, wenn der Urlaub vorbei ist.

Dabei hatten wir doch in diesem Jahr alles anders gemacht: Waren extra nicht ans Meer und auch nicht in die Berge gefahren. Stattdessen war unser Reiseziel denkbar gut zu erreichen gewesen – Bad Saarow in Brandenburg. Nur eine Stunde Autofahrt. Göttlich. Keine Stullen für die Fahrt schmieren, keine Streifzüge durch Supermärkte und Schreibwarenläden auf der Suche nach geeigneter Rücksitzbeschäftigung für die Kids, sondern einfach und schlicht 60 Minuten aus-dem-Fenster-Blicken und Kinder-Feststellungen wie „Da ist der BER, Mama. Schau mal, das Flugzeug auf dem Schild ist IMMER noch durchgestrichen!“ kommentieren, ruckzuck ist der Urlaubsort erreicht. (Bad Saarow ist ein schöner Kontrast zu Kreuzberg. Alles ist sauber und gepflegt, ein Kurort eben, mit Kurpromenade am großzügigen Seeufer und jeder Menge einladender Villen aus der Weimarer Zeit, ein Walmdach schöner als das andere, und mit kilometerlangen Rad- und Wanderwegen.) Nach zweieinhalb Wochen sind Arme und Beine braun, die Kinder entspannt, man selbst hat Seelenfriedenstufe 7 erreicht und als Paar schwebt man mindestens auf Wolke 6. Die Rückreise steht an.

Am Ende des letzten Urlaubstages stehen wir zu viert vor den gepackten Koffern und warten auf die Katze, die jetzt zu unserem Leidwesen eine Wildkatze geworden ist in all der Natur, die sie umgab. Schließlich kommt sie angeschlichen, misstrauisch wie Katzen sind, wenn sie Veränderungen wittern. Dann sitzt auch sie im Korb auf der Rückbank und die kürzeste aller Heimreisen, die wir je unternommen haben, beginnt.

Die Reise ist beendet, die Baustellen des Alltags schließen einen in die Arme

Die Ankünfte in unserer Straße gleichen sich stets: Auf alle Überraschungen gefasst stehen wir erwartungsvoll unter den Fenstern der Wohnung. Erleichtert stellen die Kinder fest, dass sie verschlossen sind. Dann öffnen wir die Haustür, riechen den gewohnten Geruch der Toreinfahrt. Dann: Die Schritte zur Wohnungstür, das schier ewig dauernde Drehen des Schlüssels, bis die Tür geöffnet und das erste Kind in den Flur stürmt. Den vertrauten Geruch unserer Wohnung in einer Mischung mit abgestandener Luft und etwas Undefinierbarem (der Abfluss?) in die Lungen ziehend, trete ich jedes Mal ein mit dem Gefühl von Neugier und Staunen, gepaart mit einem Hauch jener Vorahnung, dass der Alltag wie immer wird und der Urlaub jetzt wirklich vorbei ist.

Es ist ein zwiespältiges Gefühl, „Heim“ zu kommen. Denn Neugierde und Staunen ist binnen weniger Minuten – spätestens aber nach dem Öffnen langweiliger Briefstapel – der Erkenntnis gewichen, dass sich leider gar nichts verändert hat. Die Reise ist beendet, die Baustellen des Alltags schließen einen in die Arme. Nein, die Wäsche hat sich nicht in der Zwischenzeit selbständig vom ausgeklappten Wäscheständer im Wohnzimmer – um Gottes Willen, im Wohnzimmer? – sortiert. Auch die Bücher auf dem Boden hat niemand in unserer Abwesenheit eingeräumt, das Waschbecken nicht ordentlich gereinigt und die Steuererklärung beendet.

Der Energie des Urlaubs wohnt diese klitzekleine Option inne, diesmal alles anders machen zu können

Heimkommen bedeutet auch, mit sich selbst konfrontiert zu sein: Ja, so sah es tatsächlich aus, als wir losfuhren. Herzlich Willkommen in meinem Alltag, im echten Leben. Tschüss Urlaubswelt. Heimkommen ist der Moment, indem wir mit uns selbst und unseren Baustellen in Berührung kommen, ohne die Illusion des Besser-haben’s und Schöner-wären’s des Urlaubs schon ganz hinter sich gelassen zu haben. Denn der Energie des Urlaubs wohnt diese klitzekleine Option inne, diesmal alles anders machen zu können. Heimkommen ist die Hoffnung darauf, dass die Erlebnisse einer Reise sich auf den Alltag abfärben werden, einfach so.

Nur leider ist am Tag nach der Ankunft klar, dass es nicht einfach so geht. Diesem Tag wohnte noch nach jeder Rückkehr aus dem Urlaub ein Desaster inne. Kindergeschrei und Überforderung ob des leeren Kühlschranks, und zu allem Überfluss kreisen die Gedanken am Tag nach der Heimkehr um den Wohnbezirk, der in seiner Kinderfeindlichkeit kaum zu überbieten ist – ganz zu Schweigen von dessen Katzenfreundlichkeit.

Es gibt noch keine Struktur im Tag, aber die Umgebung suggeriert, es sei alles wie immer

Die urbane Familie, die im besten Fall aus ihren lichten, großzügigen und naturnahen Urlaubsdomizilen zurückkehrt, tut sich schwer mit dem Ankommen. Bei den Erwachsenen machen sich Zweifel angesichts des touristifizierten und überlaufenden Wohnquartiers breit, sie lassen einen auf Immobilensuchportalen landen, auf denen mal wieder kopfschüttelnd die horrenden (mal wieder gestiegenen) Kauf- und Mietpreise ins Auge gefasst werden. Umzug ausgeschlossen. Es sei denn, man ist bereit, ein ganz anderes Leben zu beginnen, in den Reihenhausquadern von Falkensee etwa.

Jetzt wirft der Schlafmangel bei den Kindern Unzufriedenheit auf, die Spielkameraden sind natürlich noch nicht zurück und die Langeweile macht hungrig, aber das Essen liegt im Supermarktregal. Es gibt noch keine Struktur im Tag, aber die Umgebung suggeriert, es sei alles wie immer. Das eine Kind will ins Freibad, das andere zur Freundin, die Milch ist alle. Man muss laut werden und die Zornesfalte auf der Stirn einsetzen. Ach ja: Es liegen gut 3 Wochen Urlaub hinter einem, da hat man kein Recht auf schlechte Laune. Wer sich nach maximaler Erholung gereizt fühlt, macht der überhaupt etwas richtig?

Der Tag nach der Rückkehr, er bringt meistens einen ganz normalen Rückkehrblues. Und viel zu viel schmutzige Wäsche. Aber zum Glück ist es nur der Tag nach der Rückkehr.