Verbunden mit der Welt. Wie postkolonialer Feminismus und Gärten zusammenhängen: Die temporäre Ausstellung im Humboldt Forum Dara Tûyê

Anuscheh Amir-Khalili hat die Geschichte der Namensgebung des Heilkräutergartens, um den herum die Ausstellung „Dara Tûyê – Der Maulbeerbaum“ kreist, schon oft erzählt. Doch jedes Mal aufs Neue entfalten ihre Worte einen tiefen Raum aus Verbundenheit und Mitgefühl, so auch am Abend des 28. November, dem Abend der Austellungseröffnung im Berliner Humboldt Forum. Hevrîn Xelef.

Berlin global – das Band nach Jinwar

Die kurdische Politikerin und Frauenrechtlerin wurde 2019 von politischen Gegnern in Nordsyrien ermordet. „Aber sie ist nicht tot“, sagt Anuscheh Amir-Khalili den rund Hundert Menschen, die an diesem Abend gekommen sind. Ihre Worte sind an diesem Abend klar und trotzdem weich, deutlich und behutsam zugleich. Hevrîns Einsatz für Demokratie und Frauenrechte werde jeden Tag erinnert, weil der Garten in Berlin nach ihr benannt sei, fährt sie fort. Die tragische Geschichte von Hevrîn Tod werde durch die Namensgebung umgedeutet: Ihre Feinde konnten sie nicht töten. Sie lebt mit uns weiter, sie ist mit uns verbunden und verbindet uns damit mit all den Frauen, die überall auf der Welt für ihre und unsere Freiheit kämpfen – das ist die Botschaft des Hevrîn Xelef Gartens, sagt Anuscheh Amir-Khalili, deren Idee diese Ausstellung war. Und damit meint sie auch die Verbundenheit mit dem feministischen, nur von Frauen bewohnten Dorf Jinwar in Rojava im Norden Syriens.

Während sie spricht steht Anuscheh Amir-Khalili unter der gewaltigen Skulptur des schwarzen Maulbeerbaums von Ela Pour, dessen Textur aus schwarzem und verschlungenem Kunsthaar Trauer, aber auch Erdverbundenheit und Kraft symbolisieren. So wie die ganze vom Verein flamingo e.V. gestaltete Freifläche von BERLIN GLOBAL im Humboldt Forum über seinen Garten Hevrîn Xelef ein Ort des gemeinsamen Trauerns und Gedenkens ist, besonders an diesem Abend der Ausstellungseröffnung.

Postkoloniale Verbindungen

Der Schwarze Maulbeerbaum im Humboldt Forum symbolisiert jenen Baum, der im Hevrîn Xelef-Garten gepflanzt wurde und 2022 als Gedenkbaum eingeweiht wurde, um Jina Masha Amini zu gedenken. Die junge Frau starb im Gewahrsam der iranischen Sittenpolizei, daraufhin wurde der kurdische Ruf „Jin Jihad Azadî“, Frau Leben Freiheit, weltweit zum Ausdruck für Solidarität mit und gegen Gewalt an Frauen. Berührende Geschichten über Frauen wie Jina Masha Amini und andere können in der Ausstellung über Hörstationen gehört werden.

Dara Tûyê – درخت توت – Der Maulbeerbaum ist ein Zeugnis für solidarische Kooperation und für die Verbundenheit des postkolonialen Feminismus über nationalstaatliche Grenzen hinweg. Er erinnert uns daran, dass wir unsere Welt teilen und dass der Kampf für Frauenrechte jeden Tag aufs Neue Unterstützung braucht. Ob in Afghanistan, Iran oder in den USA.

Die Ausstellung ist noch bis zum 30.8.2027 im Humboldt Forum zu sehen.

Veröffentlicht von stadtlandfrau

Inga Haese, Prof. Dr. rer. pol., ist Soziologin, Gärtnerin, Leserin, Mutter, Feministin, Kirchenaktivistin. Lebt in Berlin und bei Storkow in Brandenburg.

Hinterlasse einen Kommentar