Arbeit? Arbeit! Care-Ökonomie im ländlichen Raum Ostdeutschlands

Im letzten Jahr entstand die Idee dieses Aufsatzes, der jetzt im aktuellen Heft der sub\urban erschienen ist. Darin thematisiere ich das Potenzial von Care-Ökonomien in ländlich geprägten Regionen in Ostdeutschland.

Einzelne Projekte von Care-Ökonomien, so meine These, weisen dem ländlichen Raum in Ostdeutschland bei der Findung alternativer Arbeits- und Lebensweisen eine wichtige Rolle zu, entgegen vieler Klischees über ausblutende ländliche Regionen ohne Perspektiven.

Gerade jetzt möchte ich uns Mut und Resilienz zusprechen, sich nicht vom Landkreis #Sonneberg vereinnahmen zu lassen. Die Sonneberger Mehrheit repräsentiert nicht Thüringen und Ostdeutschland! Sie macht nur unglaublich fassungslos und entsetzt. Umso wichtiger sind Blicke auf das demokratische Experimentieren im ländlichen Raum Ostdeutschlands.

Anhand eines Gemeinschaftsprojektes werte ich im sub\urban-Text Care-Praktiken und Elemente einer Care-Ökonomie aus, die widersprüchliche Entwicklungen jenseits von Idealisierungen oder Romantisierungen aufzeigen. Eine Erkenntnis der geschilderten Feldforschung ist, dass transformative Praktiken in Care-Ökonomien die kapitalistische Differenzierung zwischen produktiver und reproduktiver Arbeit irritieren – ein zentrales feministisches Anliegen, das seit Jahren den Theoriezirkel um das „Vorsorgende Wirtschaften“ und die „Bielefelderinnen“ beschäftigt hat. Jedoch sind Aushandlungen über die Arbeitszeiten und die Inwertsetzung der (un-)sichtbaren Arbeit auch in der Care-Ökonomie Gegenstand von Widersprüchen und Konflikten.

https://zeitschrift-suburban.de/sys/index.php/suburban/article/download/829/1218

Veröffentlicht von stadtlandfrau

Inga Haese, Prof. Dr. rer. pol., ist Soziologin, Gärtnerin, Leserin, Mutter, Feministin, Kirchenaktivistin. Lebt in Berlin und bei Storkow in Brandenburg.

Ein Kommentar zu “Arbeit? Arbeit! Care-Ökonomie im ländlichen Raum Ostdeutschlands

  1. Danke für den sehr interessanten Artikel! Ich entnahm ihm u.a. dieses Zitat: „Der Garten ist nicht nur da unten, sondern der Garten ist auch zwischen den Menschen. Die Menschen müssen genauso gepflegt werden wie der Acker. Und das nicht aus dem Blick zu verlieren,
    spielt eine große Rolle.“ (Ein Mitglied des Vereins Ahornhof e. V.[8])
    Wie schön darin (im präsentierenden Rahmes des Aufsatzes) eine Grundsatzformulierung aufleuchtet! Die Arbeit des einzelnen Menschen erzeugt doch gerade in den sozial-wohlgesonnenen Randerscheinungen den größten Mehrwert, der uns allen und den zukünftigen Genersationen zu Gute kommt. Wie viele Menschen überleben in einer, auf Verschleiß von Allen und Allem ausgerichteten Wirtschaftsordnung, mit Hilfe der Musik! Ihre Klänge heilen so oft die Wunden, die der Stumpfsinn sinnferner und zerstörender Erwerbstätigkeiten schlug. Und, denken wir an den Rock´N Roll, liegen die Wurzeln der Musik in den Überlebensstrategien der Menschen, die in körperlicher Ausbeutung, Tag für Tag dem Tode durch totale Ausbeutung preisgegeben waren. Der Rock`N Roll geht auf die Kunst der Menschen zurück, die aus Afrika verschleppt wurden, um auf den Baumwollfeldern der sogenannten Neuen Welt verheizt zu werden. Welches Hoffnungssymbol wurde es weltweit als Aufbruchstimmung einer neuen Generation. Unser gesamtgesellschaftlicher Wohlstand, hier im Deutschland der Gegenwart, basiert zum einen großen Teil auf dem Weitergeben von Vermögen, die im faschistischen Deutschland per Zwangsarbeit erzeugt wurden. Wie kann uns dieses blutige Kapital als Mahnung nutzen, um Arbeit langfristig abzusichern, die eine Lehre zieht, aus den Zeiten in denen Erwerbstätigkeit als eine Waffe zur Gewaltausübung wurde/wird! Gewalt erzeugt immer Gewalt, und Gewalt zerstört immer Mensch samt Garten!

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