Vom Recht auf Care

Arbeit, FürSorge, Frauenpolitik

 

Das Recht auf eine Gesellschaft, die sich ihrer Sorgeleistenden bewusst ist: Nicht mehr und nicht weniger fordert die Theologin Ina Praetorius mit ihrem Verein „Wirtschaft ist Care“ in der Schweiz.

Warum verdienen Waffenhersteller eigentlich mehr als Mütter oder Väter?

Nun ist ein hervorragendes Interview auf ZEIT Online erschienen, in dem die gebürtige Karlsruherin erklärt, was an der gesellschaftlichen Wertschätzung von Sorgearbeit feministisch ist und warum sie sich dafür einsetzt, dass eine kindaufziehende Person nicht weniger verdienen darf als etwa ein Waffenhersteller. Den ganzen Text findet ihr im Interview mit ZEIT Online.

Die Theologin hat auch eine eigene, originelle Website zu bieten. Dort macht sie sich z.B. über glamouröse Lebensläufe lustig und stellt einen solchen „A-Level-CV“ in den Kontext ihres „echten“ biologischen Lebenslaufs. Sehr lesenswert und hier zu finden.

Für StadtLandFrau ist das folgende Zitat von Ina Praetorius besonders bedeutsam, denn es bringt auf den Punkt, warum Feminismus nicht ohne die Aufwertung von Sorgearbeit auskommt:

Menschen, die Arbeit für ihre Familie leisten, müssen im Alter gut abgesichert sein – und zwar vergleichbar mit Erwerbstätigen. Dass sie bis heute nicht richtig honoriert werden, ist abstrus, aber historisch erklärbar. Familie kommt etymologisch von famulus, und das heißt „der Diener“. Die Kinder und die Frau galten lange als Besitz des Mannes. Daher galt die Arbeit, die zu Hause geleistet wurde, nicht als eigenständige Arbeit.

Der von Praetorius gegründete Verein „Wirtschaft ist Care“ setzt sich laut Webpage ein „für die Reorganisation der Ökonomie um ihr Kerngeschäft, die Befriedigung tatsächlicher menschlicher Bedürfnisse weltweit.“

Damit ist der Verein Teil des feministischen Netzwerks „Care Revolution“, die im Grunde für eine Neugestaltung der Gesellschaftsordnung kämpft: Nämlich für eine Neuordnung der Sorgebeziehungen und für eine „Care-Ökonomie“, die nicht Profitmaximierung, sondern die Bedürfnisse der Menschen ins Zentrum stellt.

 

Danke für eine so wichtige Arbeit sagt StadtLandFrau.